ⓦ 465 Jahresprojekt „Where I live“: Warum eine einfache Frage plötzlich komplex wird - mit Jens F. Kruse

Was bedeutet „Zuhause“ in Bildern?

In dieser Folge geht es um ein fotografisches Jahresprojekt, das tiefer ging als gedacht.

Über Prozesse, Zweifel, Serien und Gemeinschaft

Ein Jahresprojekt als gemeinsamer Denkraum

Im Gespräch mit Jens F. Kruse geht es um mehr als ein fotografisches Jahresthema. Es geht um Prozesse, Verantwortung, Zweifel – und um das gemeinsame Wachsen in einer fotografischen Community. Jens leitet seit mehreren Jahren SPuM (Streetfotografie und mehr), eine geschlossene Gruppe von Fotograf:innen, die jährlich ein übergeordnetes Thema bearbeitet. Nach „Spiel des Lichts“ fiel die Wahl diesmal überraschend auf „Where I live“ – ein Thema, das zunächst banal wirkte, sich aber als tief, persönlich und vielschichtig entpuppte.

Statt geografischer Ortsbeschreibungen entstanden Serien über Identität, Nähe, Alltag, Familie und innere Ankerpunkte. Jens betont, dass er bewusst ohne konkrete Erwartungen in die Projekte geht. Die Gruppe entwickelt ihre Arbeiten über Monate hinweg: mit Zwischenfeedbacks, Diskussionen, Motivationsphasen – und auch mit Frust. Entscheidend ist dabei nicht das einzelne Bild, sondern das serielle Denken und die Bereitschaft, die eigene Idee immer wieder zu hinterfragen.

Ein zentraler Punkt ist der offene Umgang mit Kritik. Jens sieht sich nicht als „Guru“, sondern als Begleiter und Kurator. Manche Serien mussten radikal reduziert, andere neu gedacht werden. Spannend ist dabei die Erkenntnis, dass Bilder oft erst im Kontext einer Serie ihre Kraft entfalten. Ergänzt werden die Arbeiten durch persönliche Texte – teils mit Unterstützung von KI als Werkzeug, nicht als Ersatz für eigene Gedanken.

Am Ende stehen eine virtuelle Ausstellung und ein Fotobuch. Doch Jens macht klar: Der wahre Wert liegt im Weg dorthin. Im langsamen Arbeiten, im Austausch, im gemeinsamen Ringen um Bedeutung. Ein Jahresprojekt wird so zu einem Spiegel: für das eigene Sehen, das eigene Leben und die Frage, was „Zuhause“ eigentlich bedeutet.

Frage zum Weiterdenken: Wenn du dein eigenes „Where I live“ fotografieren müsstest – würdest du einen Ort zeigen oder ein Gefühl?

⏱️ Zeitstempel und Kapitel

  • 00:00 Intro 

  • 02:37 SPuM Jahresthemen 2024 und 2025

  • 06:17 Warum „Where I live“ überraschend gewählt wurde

  • 12:18 Erwartungen, Gruppendynamik, Offenheit und Motivation

  • 15:16 Der Weg ist das Ziel: Prozess statt Ergebnis

  • 18:13 Kuratieren, Reduktion und Serienlogik

  • 21:18 Teilnehmererfahrungen und Feedback via KI

  • 24:22 Dirk Hyna: Soest atmet Geschichte

  • 30:17 Veronika Kirchgatterer: Aus den Schichten heraus blickt mich das Leben an

  • 32:44 Darja Mitrovic: "Where I live" ist für mich kein Ort, sondern ein Gefühl

  • 34:56 Andrea Klein: Poetischer Einstieg und großartige Unterstützung beim Projekt

  • 42:18 Die Dynamik in der Community und der kreative Prozess

  • 46:08 Bezugsquelle https://www.jfkstreetphotography.com/more/jfk-membership/

  • 49:16 Jahresprojekte: Botschaften und persönliche Reflexionen

  • 55:50 Der kreative Prozess und die Bedeutung von Feedback

  • 58:16 Inspirationsquelle für Bücher und Texte: dummyaward.org

  • 01:04:34 Jahresprojekt 2026 ist jetzt entschieden: IN BETWEEN - Zustände des Übergangs

  • 01:11:39 Dankeschöns

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Vorwort zum Jahrbuch 2025

Fast ein Jahr lang haben Mitglieder von SPuM mit offenen Augen und wachem Herzen den Ort erkundet, an dem sie leben. Sie stellten sich Fragen, um diese - im Dialog mit sich selbst - fotografisch zu beantworten. Ihre Kameras wurden zu Tagebüchern und Erinnerungen. Ihre Bilder zu Fragmenten einer gemeinsamen Poesie. Zu sehen sind Fensterblicke und Wegkreuzungen, stille Zimmer und laute Straßen, flüchtige Schatten und festgehaltene Augenblicke. Baustellen, Familienblicke und Ankerplätze.

Das Überraschende und Großartige an der Annäherung des Themas ist, hier zu sehen, was man nicht sieht: Atemzüge des Alltags. Nähe und die Distanz. Auch wenn gerade niemand sichtbar ist, bleibt in der Abwesenheit die Anwesenheit der Menschen sichtbar und wird zur Nähe, zu einer Spur von Gegenwart, die nicht vergeht.

Zu (Ge)Schichten des Lebens - ist hier nicht nur ein geografischer Punkt - sondern auch ein Geflecht aus Erinnerungen, Gefühlen und Geschichten. Ein Ort zwischen Wirklichkeit und Wahrnehmung. Und - auch ein Zustand.

Jens F. Kruse

🇬🇧 Annual project ‘Where I live’: Why a simple question suddenly becomes complex

In this episode, Thomas and Jens F. Kruse talk about photographic year-long projects and the theme “Where I live.” What sounds simple at first turned into a deeply personal exploration within Jens’ photography community. Instead of showing locations, participants created series about identity, family, everyday life, and emotional belonging. Jens explains the importance of long-term thinking, honest feedback, and collective reflection. The focus is not on the perfect image, but on the creative process over an entire year — including doubt, friction, and growth. Topics like curation, writing, and even AI as a supportive tool are discussed openly. The outcome includes a virtual exhibition and a photobook, but the real achievement lies in the shared journey and the slow, conscious way of seeing.

Question: What would your photographs reveal if “home” meant a feeling rather than a place?

🏷️ Schlagworte

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ⓦ 464 Fotos gehören auf Papier – Erfahrungen und Ratschläge vom Print-Experten Alexander Scheubly