ⓦ 457 Liedermachertum in neuem Kleid – wie Louisa Specht Gefühle in Sprache und Musik verwandelt 🎶

Die wunderbare Liedermacherin Louisa Specht aus Wien spricht über Songwriting, Emotionen, Bühne und Musik als Befreiung

In dieser Folge spricht Thomas mit der Wiener Liedermacherin Louisa Specht über Musik, Sprache und das mutige Nach-außen-Gehen innerer Prozesse. Ausgangspunkt ist ein Konzertbesuch im Theater am Spittelberg – und die Überraschung darüber, wie klar, verständlich und berührend Lieder sein können, wenn Text und Musik wirklich zusammenspielen.

Louisa erzählt von ihrem musikalischen Aufwachsen in einer Musikerfamilie, von Improvisation, Rhythmik und der Selbstverständlichkeit, Musik nicht nur zu spielen, sondern zu erfinden. Früh wird klar: Für sie ist Musik kein Produkt, sondern ein Ausdrucksmittel – ein Weg, Gefühle zu sortieren und zu benennen.

Ein zentrales Thema des Gesprächs ist Songwriting als Reaktion auf Leidensdruck. Louisa schreibt vor allem dann, wenn etwas in ihr arbeitet, drängt oder sich befreien will. Dabei geht es weniger um konkrete Geschichten als um universelle Gefühle: Selbstsuche, Trennung, innere Karusselle, das Ringen mit Erwartungen. Ihre Texte bleiben persönlich, ohne privat zu werden – genau darin liegt ihre Kraft.

Ausführlich spricht sie über ihren kreativen Prozess: über das Zusammenspiel von Text, Melodie und Band, über Vertrauen, Offenheit und das bewusste Zulassen fremder Ideen. Obwohl sie klar die künstlerische Verantwortung trägt, entsteht Musik bei ihr im Miteinander – getragen von Respekt und gemeinsamer Neugier.

Auch die Bühne selbst ist Thema: Nervosität, Präsenz, Authentizität. Louisa beschreibt, wie Vorbereitung erst Freiheit ermöglicht und warum kleine Unperfektheiten oft Nähe schaffen. Musik, so wird deutlich, ist für sie kein Rollen-Spiel, sondern ein Angebot zur Verbindung.

Eine Folge über Sprache als Klang, Gefühle als Bilder und die Frage, wie viel Mut es braucht, sich wirklich zu zeigen – und was passieren kann, wenn man es trotzdem tut.

⏱️ Zeitstempel und Kapitel

  • 00:00 Zufällig beim Konzert im Theater am Spittelberg in Wien

  • 04:54 Louisa stellt sich vor 

  • 09:10 Liveauftritte und ihre Bandmitglieder

  • 13:34 Songwriting-Prozess 

  • 20:17 Inspiration aus Leidensdruck 

  • 24:27 Live-Auftritt im Kultursender Ö1

  • 28:10 Lieder über Selbstsuche, Krisenbewältigung und Befreiung

  • 31:39 Die Kunst des Texteschreibens und der bildhaften Sprache

  • 39:03 Das Lied "Rätsel" und das Spiel zum Publikum

  • 43:51 Die Herausforderung der Künstleridentität

  • 48:02 Vorbereitung und Spontaneität beim Auftritt

  • 55:35 Spannungsbogen und die Setlist

  • 57:46 Coversongs: Walking on the Moon 

  • 01:00:19 Musikalische Vorbilder und Einflüsse

  • 01:05:16 Plattenvertrag und Labels

  • 01:07:05 Die Verbindung zum Publikum und persönliche Geschichten

  • 01:09:22 Was passiert nach dem Konzert?

  • 01:11:15 Die Qualität der Musik muss stimmen

  • 01:13:08 Die Herausforderungen der Albumproduktion und Musikbusiness

  • 01:17:51 Zielgruppe, Hörerschaft und Auftritte in Deutschland

  • 01:20:14 😀 Outtakes mit Auflösung vom Intro

Cover: Isabella Hewlett

Die CDs gibt’s für je 10€ in ihrem Shop https://louisa-specht.at/shop


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Fotos vom Auftritt im Theater am Spielberg am 19.9.2025

Liedermachertum in neuem Kleid. Verdichtete Texte & rhythmische Melodien, die Bilder in die Köpfe ihrer Zuhörer*innen projizieren und entstehen lassen. Verwoben mit Singer-Songwriter Akustik-Pop, Chanson und Jazz-Einflüssen.

Sie schreibt gerade an ihrem ersten Album - am 19.09. gab es im @theateramspittelberg einen Vorgeschmack: Einblicke in neue Songs frisch aus dem Schreibprozess, erstmals gelesene Texte, Ausflüge in andere Musik und eine kleine Überraschung! 

Und ein großes Lob an die tolle Band

🎸Lukas @lukas.plankenbichler 🎻 Andrea @soundsofdea 🥁 Alexander @alex_hewlett  🎤 Lisa @lislidum 


Die “Konstantin Wecker Sache”

Wir haben unser Podcast-Gespräch am 23. Oktober 2025 aufgenommen. Kurze Zeit später hatte eine heute erwachsene Frau in der Süddeutschen Zeitung (vom 19.11. “Der Mann und das Mädchen”) öffentlich gemacht, dass sie als Minderjährige eine intime Beziehung mit Konstantin Wecker gehabt habe. Unter den Folgen leidet die mittlerweile 30-Jährige bis heute, der Künstler bittet um Verzeihung. Eine Geschichte über Machtmissbrauch, Manipulation und Verantwortung.

Am 29. November 2025 hat Louisa Specht dieses Statement abgegeben:

“In den letzten Tagen werde ich immer wieder auf die „Konstantin Wecker-Sache“ angesprochen. Ich habe länger darüber nachgedacht, ob und wenn ja, wie ich mich dazu äußern sollte. Es ist - wie einige von euch wissen – ein schwieriges Feld für mich, weil ich Musik unter Konstantin Weckers Label veröffentlicht habe. Aber nachdem ich der Meinung bin, dass es sehr wichtig ist, eine klare Haltung zu haben und diese dann auch in Real zu leben – wäre es für mich einfach völlig falsch, mich gar nicht dazu zu äußern.

Vor etwa drei Jahren kam ich zu Konstantin Weckers Label. Für mich war das ein großer Erfolg: Ich habe Konstantin getroffen, mit ihm über Songwriting gesprochen, durfte bei Konzerten von ihm spielen. Meine beiden EPs sind unter seinem Label erschienen und ich habe mit ihm persönlich nur positive Erfahrungen gemacht. Ich habe ihn als sehr freundlich und zugewandt erlebt. Alles auf professioneller Ebene.

Das steht selbstverständlich in keiner Weise im Widerspruch zu dem, was die betroffene Frau erlebt hat. Als die Vorwürfe öffentlich wurden, hat mich das geschockt und sehr beschäftigt. Ich habe so gut wie alles darüber gelesen, um zu begreifen und einzuordnen zu können, was da vorgefallen ist. Es ist ein seltsames Gefühl, wenn so etwas über eine Person bekannt wird, mit der man zu tun hatte und somit einen Bezug zu ihr hat. Der erste Reflex, für einen kurzen Moment, ist, es nicht glauben, eine mildernde Erklärung dafür finden zu wollen, auf ein Missverständnis zu hoffen. Doch sofort, einen Moment später, kommt die Erkenntnis: Doch so ist es.

Besonders bewegt mich, dass die betroffene Frau ungefähr gleich alt ist wie ich. Besonders ernüchternd ist, was manche Menschen auf Social Media über ein damals 15- oder 16-jähriges Mädchen schreiben. Wo ist die Empathie für eine damals Jugendliche? Ich nehme an, diese Menschen haben Töchter, Nichten, Schwestern, Freundinnen – und eine Erinnerung daran, wie es ist, 15 oder 16 Jahre alt zu sein - weit entfernt von einem erwachsenen Einschätzungsvermögen. Der sehr deutliche Lebenserfahrungsvorsprung eines Erwachsenenlebens lag nicht bei ihr.

Vor einiger Zeit – also länger bevor diese Nachrichten öffentlich wurden – habe ich für mich beschlossen, meinen Weg unabhängig von seinem Label weiterzugehen und zukünftig als unabhängige Künstlerin zu veröffentlichen. Das hatte ganz andere Gründe. Die aktuellen Ereignisse konnten meine Entscheidung also nicht beeinflussen, aber sie geben ihr plötzlich einen ganz anderen Kontext. Für mich persönlich ist es ein unglaublicher Zwiespalt: Einerseits bin ich Konstantin Wecker als Musikerin dankbar und finde viele seiner künstlerischen und politischen Positionen noch immer wichtig und richtig. Andererseits finde ich moralisch verwerflich, was vorgefallen ist. Beides existiert gleichzeitig: Dankbarkeit und völliges Unverständnis. Und genau so fühlt es sich an: Widersprüchlich und nicht einfach wegzuwischen. Für mich als junge Künstlerin, die ihre ersten Veröffentlichungen sehr stolz unter seinem Label herausgebracht hat, ist das sehr bitter. Ein Name, mit dem ich positiv in Verbindung gebracht wurde, steht nun in einem Zusammenhang, der schwer wiegt.”

Ich habe darauf so geantwortet:

Liebe Louisa, Danke, dass du dich so klar und unmissverständlich positionierst. Wer mit seiner Kunst so vielen Menschen nahe ist, trägt Verantwortung – gerade dann, wenn es um den Schutz Minderjähriger geht. Dein Statement zeigt Haltung, stellt die Betroffene in den Mittelpunkt und macht deutlich, dass es hier keinen Graubereich gibt. Es braucht mehr Stimmen wie deine, die klar benennen, dass Machtmissbrauch und Übergriffe weder im Kulturbetrieb noch sonst irgendwo zu tolerieren sind. LG

🇬🇧 How Louisa Specht transforms feelings into language and music

In this episode of weekly52, Louisa Specht talks about music as a way of expressing inner movement. Growing up in a musical family, creativity was always part of her everyday life. Most of her songs are born from emotional pressure – from the need to name feelings and find relief through sound. The conversation explores songwriting, imagery in lyrics, collaboration within a band, and the balance between control and openness in creative work. Louisa shares how text and melody often emerge together, and why she prefers universal emotions over personal storytelling. They also discuss performing live: nervousness, authenticity, and how small imperfections can create closeness. An episode about trust, artistic responsibility, and music as a space for connection.

What would happen if you turned your own emotions into a song?

🏷️ Schlagworte

Songwriting, Musik, Kreativität, Gefühle, Sprache, Metaphern, Bühne, Authentizität, Bandarbeit, Liedermacherin, Kunstprozess, Inspiration, Selbstsuche, Emotionen, Live-Performance, Konstantin Wecker, Künstler, Bühnenpräsenz, Interaktion, Musikbusiness, Albumproduktion, Zielgruppe

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ⓦ 456 😜 A really short kidding AI-Radioshow 🤖 Streetphotography Edition 🇩🇪 🇬🇧