ⓦ 491 Schauspieler und Fotokünstler Daniel Christensen über seinen Opa als Zwangsarbeiter und die Bedeutung von „Wert und Würde“

Daniel Christensen über Zwangsarbeit, Erinnerung und die Kraft von „Wert und Würde“

Foto: Daniel Nartschik

Daniel Christensen arbeitet mit Sofortbild wie mit einem lebendigen Stück Zeit: Er zwingt die Polaroid‑Kamera zu Präzision, obwohl sie dafür nie gebaut wurde, und schafft Bilder, in denen Licht zu Nähe wird und der Körper seine ganze Verletzlichkeit zeigt. Und in seiner Rolle als Ignaz Flötzinger sorgt Daniel Christensen im neuen Eberhofer‑Kinofilm Steckerlfischfiasko wieder für jene unverwechselbare Mischung aus Provinzchaos, Charme und schräger Komik, die seine Figur so beliebt macht.

In dieser Folge begegnen wir Daniel Christensen nicht nur als Schauspieler, Sprecher und Fotograf, sondern als jemand, der die eigene Familiengeschichte tief in sich trägt. Was als Gespräch über Sofortbildkunst beginnt, öffnet sich schnell zu einem viel größeren Thema: der Zwangsarbeit seines Großvaters Ludvik Jirus und der Frage, wie Erinnerung weitergegeben wird.

Daniel erzählt, wie sein Großvater, Jahrgang 1926, in Prag aufwuchs, Zwangsarbeit für das NS‑Regime leisten musste und später unter der sowjetischen Okkupation litt. Die Familie wurde enteignet, verfolgt, bedroht. Jüdische Wurzeln mussten verschleiert werden, Dokumente wurden gefälscht, Leben gerieten ins Wanken. Als Daniel ihn im Jahr 2000 mit einer Mini‑DV‑Kamera interviewte, öffnete sich ein Raum, den es vorher nicht gab: ein Mann, der viel erlebt hatte, aber wenig darüber sprach. Und plötzlich erzählte er. Stundenlang. Über Flucht, Angst, Mut, Verlust. Über den Prager Frühling, der ihn Jahrzehnte später noch zum Weinen brachte.

Diese Geschichten sind nicht nur familiäre Erinnerung, sie sind Teil eines europäischen Gedächtnisses. Genau hier setzt die Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) an. Sie dokumentiert die Stimmen ehemaliger Zwangsarbeiter:innen und ihrer Familien, um sichtbar zu machen, was oft verschwiegen wurde. Daniel wurde für den Podcast „Wert und Würde“ angefragt, weil seine eigene Familiengeschichte eine Brücke schlägt: zwischen persönlicher Erfahrung und kollektiver Verantwortung.

Die Folge zeigt, wie Kunst und Erinnerung zusammenfinden. Wie ein Sofortbild Verletzlichkeit sichtbar macht. Und wie eine Stimme aus der Vergangenheit uns heute noch bewegt. Sie lädt dazu ein, über die eigene Herkunft nachzudenken — und darüber, welche Geschichten wir weitertragen sollten.

⏱️ Zeitstempel und Kapitel

  • 00:00 Begegnung zusammen mit Dominika Pancewicz auf der Sofortbildkunst Ausstellung :unmittelbar in Kreuzberg

  • 05:00 Aktfotografie: Licht, Körper und die Frage nach Verletzlichkeit

  • 07:00 Intimität im Sofortbild: Malen mit Licht 

  • 10:00 Öffentlichkeit und das Red‑Carpet‑Gesicht

  • 14:00 Quantenphysik: Wirklichkeit und Realität

  • 16:00 Familienhörbuch: Alles was eine Stimme hat bleibt

  • 18:00 Daniels Großvater Ludvik Jirus: Familiengeschichten und Umbrüche → Ludvik Jirus im kurzen IG-Clip

  • 21:00 Zwangsarbeit, jüdische Wurzeln und das Schweigen in Familien

  • 24:00 Enteignung, Verlust, Ohnmacht und die Kraft der Resilienz

  • 29:00 Podcast Wert und Würde von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ)

  • 35:00 13 Millionen - Zwangsarbeit war überall - Gewöhnung an die Unmenschlichkeit

  • 41:00 Der langen Weg zur politischen und moralischen Anerkennung und Verantwortung

  • 47:00 Die Würde des Menschen ist unantastbar und Sichtbarkeit „Ich sehe dich“

  • 49:00 Detektivarbeit, um hochbetagte Betroffene zu finden 

  • 53:00 Der EVZ Zukunftsfond: Bildungsarbeit und Menschenrechtsprojekte 

  • 58:00 Menschen zuhören und mit ihren Sorgen ernst nehmen

  • 1:01:00 Gewaltfreie Kommunikation: Echtes Interesse, bist du wirkliche an dem anderen dran?

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Wert & Würde. Über den langen Weg der Anerkennung von Zwangsarbeit als NS-Verbrechen

Obwohl sie allgegenwärtig war und Millionen Menschen betraf – die Anerkennung von Zwangsarbeit als NS-Unrecht war nach Kriegsende keinesfalls selbstverständlich. Dieser Podcast erzählt die Hintergründe und die Aufarbeitung dieses Massenverbrechens anhand einer familiären Spurensuche.

Obwohl sie allgegenwärtig war und Millionen Menschen betraf – die Anerkennung von Zwangsarbeit als NS-Unrecht war nach Kriegsende keinesfalls selbstverständlich. Dieser Podcast erzählt die Hintergründe und die Aufarbeitung dieses Massenverbrechens anhand einer familiären Spurensuche.

Vor 25 Jahren wurde die Stiftung EVZ gegründet und ehemalige Zwangsarbeiter:innen konnten eine Auszahlung beantragen. Aber was geschah bis dahin? Und welche Auswirkungen hatte diese historische Entscheidung für die Betroffenen? Dem geht Schauspieler und Podcasthost Daniel Christensen am Beispiel seines eigenen tschechischen Großvaters Ludvik Jirus nach, der als junger Mann selbst Zwangsarbeit für die deutsche Besatzungsmacht in Prag leisten musste. Anhand der persönlichen Zeugnisse seines Großvaters, Berichten anderer Zeitzeug:innen und Gesprächen mit Wegbegleiter:innen fächert Christensen die Geschichte(n) hinter der Stiftung EVZ auf. Vier Folgen, die zum Nachdenken einladen – über berührende Einzelschicksale, politische Diplomatie und den Kampf, staatliches Unrecht als solches anzuerkennen.

Die vier Folgen gibts auf unserem YouTube-Kanal, bei Spotify, Apple Podcasts und überall dort, wo es Podcasts gibt.

Podcasthost: Daniel Christensen, Idee und Projektleitung: Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ), Konzept, Recherche, Interviewführung und Text: Vera Teichmann, speak low, Berlin. Produktion: speak low, Berlin.

Quelle: https://www.25-jahre.stiftung-evz.de/


Sofortbild-Ausstellung „Exposure"

Ich wage meinen ersten Schritt als Solokünstler im Rahmen der Art Week Berlin - mit über 40 Exponaten. Nach mehreren Gruppenausstellungen in der Vergangenheit ist dies ein besonderer Moment für mich.

Kommt alle zur Vernissage am 10. September oder besucht die Ausstellung bis einschließich 25. September 2026

RAU Berlin Galerie - Gormannstr. 7, 10119 Berlin Mitte

https://berlinartweek.de/

ⓦ 491 Mit dem Schauspieler Daniel Christensen und seine Familiengeschichte
Thomas Füngerlings


🇬🇧 Daniel Christensen on his grandfather’s forced‑labour story

This episode reveals Daniel Christensen not only as an actor and photographer, but as someone deeply connected to his family’s past. What begins as a conversation about instant‑film art quickly opens into something larger: the forced labor his grandfather Ludvik Jirus endured and the question of how memory is preserved.

Daniel describes how his grandfather, born in 1926 in Prague, was forced into labor by the Nazi regime and later suffered under Soviet occupation. His family was dispossessed, threatened and pushed into silence. Their Jewish roots had to be hidden; documents were falsified to survive. When Daniel interviewed him in 2000 with a Mini‑DV camera, a door opened. A man who rarely spoke suddenly shared everything — hours of stories about fear, escape, resilience and the Prague Spring, which moved him to tears even decades later.

These stories are not only personal; they are part of Europe’s collective memory. This is where the EVZ Foundation (Remembrance, Responsibility and Future) comes in. The foundation documents the voices of former forced laborers and their families, ensuring that experiences once suppressed are now heard. Daniel was invited to contribute to the podcast “Wert und Würde” because his own family history forms a bridge between personal testimony and shared responsibility.

The episode shows how art and memory intertwine. How instant photography can reveal vulnerability. And how a voice from the past can still resonate today.

It invites listeners to reflect on their own origins — and on the stories that deserve to be passed on.

Which voice in your family still waits to be heard?


🏷️ Schlagworte

Zwangsarbeit, Deportation, Unrecht, Entschädigung, Wiedergutmachung, Okkupation, Fotografie, Sofortbild, Polaroid, Aktfotografie, Kreativität, Wahrnehmung, Erinnerung, Resilienz, Kunst, Storytelling

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ⓦ 490 Zeitlos Kalkar: Eine fotografische Rückkehr zu sich selbst mit Marc Verve